Atem im Wind

Atem im Wind

Ausatmen
und die Luft
streicht durch die Glöckchen
fliegt zwischen ihnen hindurch
tönt wie ein Lufthauch
im fernen Wald.
nichts regt sich.

Einatmen
und der Lufthauch
im fernen Wald
warm und eisig
unmerklich auf der Haut
tönt in den Blättern
wie eine ferne Straße
fegt sie hinab in mein Haar.
nichts regt sich mehr.
kahle Bäume,
rote Blätter.
strahlend vor einem schwarzen Himmel.

Ausatmen
und über die ferne Straße
tobt der Wind wie ein Sturm
umfliegt die Brückenpfeiler
steigt in schwarzer Nacht
eine Treppe empor
um dort oben auf der Straße
mit Ästen und Steinen zu spielen.
er schlägt sie ans Metallgeländer.
die letzte Stütze
vor dem Abgrund
singt klagend
wie ein ferner Glockenschlag.

Einatmen
und irgendwo in der Ferne
streicht der Wind durch Glöckchen
fliegt zwischen ihnen
und durch sie hindurch.
dann klingt
ein Windspiel im Wind.
und mein Herz regt sich.

Ausatmen.

7 Jahre später

Die Gedichte aus "Mein schwarzes Herz"

Es ist inzwischen, ich kann es selbst kaum glauben, 7 Jahre her. 2012 (mit 16) schrieb ich das letzte der Gedichte, die in meinem ersten Sammelband unter dem Titel Mein schwarzes Herz veröffentlicht wurden. Das Buch erschien 2016 und schon damals waren es Gedichte aus meiner Vergangenheit. Doch gerade auch das Alter dieser Texte ist es, weshalb ich sie manchmal noch immer gern zur Hand nehme, um ein wenig über mich selbst zu lernen und zu beobachten, was sich seitdem verändert hat und was nicht.
Anlässlich der Veröffentlichung meines zweiten Gedichtbands habe ich mich entschieden, die Gedichte von damals nun nacheinander hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Jeden Freitag Abend um 19:00 Uhr wird es eines davon geben. In alphabetischer Reihenfolge, wie sie auch im Buch stehen.
Diese Veröffentlichung wird dauern, fast zwei Jahre. Denn wenn ich mich richtig entsinne enthielt Mein schwarzes Herz zwischen 80 und 90 Gedichte und ein Jahr hat schließlich (nur?) 52 Wochen. Ich bin gespannt, was sich in dieser Zeit noch alles ändern wird. Starten wir also mit allerbesten Vorsätzen in den #Mein_schwarzes_Herz .

Nachtrag

Leider ist die Frage, ob ich alle Gedichte aus dem Buch hier veröffentlichen darf, rechtlich nicht ganz eindeutig. Daher werde ich es nun doch bei einer Leseprobe von ausgewählten Texten belassen.

Neue Gedichte veröffentlicht

Meine zweite Gedichtsammlung ist, versehen mit über 70 Illustrationen von Feuerwicht, bei BoD erschienen. (Und selbstverständlich auch über Amazon erhältlich). Bis sie auch als e-Book bestellbar ist, kann es noch ein oder zwei Wochen dauern. Aber wer sich schon einmal die Taschenbuch Ausgabe ansehen möchte, ist herzlich eingeladen, dies hier zu tun.

Emilys Hoffnung

Hoffnung – gefiedertes Wesen,
das in unserer Seele flattert
Es singt den Klang des Lebens ohne Worte
Niemals endendes Klagelied
Zauberworte gegen die Trauer

Ihre Stimme webt in das Rauschen des Sturms
den Ton eines Windspiels
Ihr sanft schüchternes Klopfen am Fenster
überdeckt ihre weltumspannenden Flügel

Weise den Pfad im Schnee
Sei die Brücke über den Ozean
Niemals hat sie danach gefragt
was wir für sie tun werden

(Interpretation von Emily Dickinsons Hope is the thing with Feathers.)

Weiches Herz

unfassbar
wie Schmerz
Menschen nahe bringen kann
unbegreiflich
dass wir einander
trotzdem nicht fangen
trotzdem nicht trösten
sehen und gesehen werden
wenn wir sehen
dass wir gesehen werden

Wenn ein Herz zerfließt
wird kaum jemand
es fangen
fast keiner
wird es sehen

unfassbar
wie Schmerz
uns nahe bringen kann
untröstlich
bin ich darüber
dass wir es selten erfahren

Du hast den Stein gebrochen…

Glaskugel

Mitte dieser Woche war ich eingeladen, im Zeicheninstitut der Universität Tübingen eine Lesung eines meiner Gedichte zu halten. Die Seminarteilnehmer sollten zu diesem Text ein Bild entwickeln und zu Papier bringen. Hier ein kleiner Einblick in die wundervollen Werke, die dabei entstanden sind:

Spiegelglas - Glaskugel

Grelle Punkte
tanzen, flimmern
über ihre Oberfläche.
Beleuchten
goldene Tropfen,
eingeschmolzen
in ihrem Inneren.

Ein Blick,
in unendliche Tiefen.
Kein Sinn
für die nahe Wand.

Lädt ein
sich hinter ihrer Endlichkeit
unendlich
zu verirren.

Ein Diamant
aus Sternenstaub
in stiller Dunkelheit.
Fängt den Blick.
Fängt die Sinne.
Gib Acht!

Was du glaubst,
Was du denkst,
Was du bist,
wird nimmer
dir gehören.

Heb den Blick!
Heb die Sinne!
Sieh wer du bist!
Wisse, dass du lebst
und du allein
kannst sehen

in stiller Dunkelheit,
laden sie ein
dich zu verirren
zwischen den Lichtern,
zwischen den Zeiten,
zwischen dem Wissen.

Weil sie es besser wissen,
und glockenhell lachen
wenn ihre Lichter
grelle Punkte
über die Oberfläche
flimmern und tanzen lassen.
Verirren lassen.

Sieh, das ist!
Dein Traum.
Den du liebtest.
Den du lebtest.
Den du alle Zeit verehrtest.

Nun heb den Blick,
Nun heb die Sinne,
Sieh deinen Traum,
deine Kugel aus Glas.

Jetzt hältst du sie in Händen.
Eine Kugel aus Glas.
Gebunden an die Zeit.
Niemals für die Ewigkeit.
Zerbrich sie!

Von: Karin Martini
Von: Justina Berns
Von: Katharina Turba
Von: Marta Provenzano
Von: Annalena Sieß
Von: Anne-J. Koller
Von: Christa Maria Burr
Von: Dr. Johannes Wertz
Von: Viviane Berger

Haus der Schmerzen – Berlin

Die Seelen der Menschen weinen
In der Trauer brechen Fassaden
In unseren Schmerzen sind wir allein
In mir ertränkt sich ein Gedanke
eine Leere erfüllt den Verstand
hinein sinkt das Leid
saugt mich aus, es reicht nicht.
Tausende trauern um ihre Vergangenheit
Beten das aufhört, was geschehen ist
Wie viele tausend Jahre
die neue Generationen weinen
um dem gleich zukommen. Es reicht nicht.
Selbst wenn die Erinnerung schwindet
werden die Gräber bleiben.
Selbst wenn der Stein zerfällt,
die Betonmale brechen. Es reicht nicht.

Die Seelen der Menschen weinen.
Sie dürfen nicht aufhören.