Segelgedanken VII

Das Internet hat mir doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher kommen die Beiträge ab jetzt nicht mehr live, sondern um ein paar Tage versetzt, weil ich nicht alles auf einmal hochladen möchte.

Das Thema des Tages wird ausgelöst durch eine seltsame Skulptur auf einem Marktplatz und den Gedenkbaum eines Märtyrers, dessen zertretene rote Früchte auf dem Boden sicher nicht zufällig wie Blut aussehen. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Frage für und von Künstlern zu sein, doch ich glaube am Ende betrifft sie uns zu viel mehr Gelegenheiten: Was treibt uns eigentlich an, wenn wir etwas erschaffen? Wenn wir überhaupt ewas produktives tun? Geht es um unser persönliches Glück? Ich denke, meistens wird das eine Rolle spielen. Doch wodurch wird es ausgelöst? Für mich selbst geht es bei dieser Überlegung oft darum, ob ich etwas für mich und sozusagen als Selbstzweck tue. Oder ob es um die Berührungspunkte geht, die andere mit meinen Werken haben. Wenn es zweiteres ist: Wollen wir dann nur erreichen, dass andere etwas davon haben? Brauchen wir die ausgesprochene Anerkennung für das, was wir getan haben? Oder ist es am Ende etwas ganz anderes?

Neue Gedichte veröffentlicht

Meine zweite Gedichtsammlung ist, versehen mit über 70 Illustrationen von Feuerwicht, bei BoD erschienen. (Und selbstverständlich auch über Amazon erhältlich). Bis sie auch als e-Book bestellbar ist, kann es noch ein oder zwei Wochen dauern. Aber wer sich schon einmal die Taschenbuch Ausgabe ansehen möchte, ist herzlich eingeladen, dies hier zu tun.

LebensZeit

Ich lese viel in Büchern
Ihr wisst ja,
wie das ist.
Es hält einen fest
und lässt nicht mehr los.
Lebenszeit verstreicht
und es ist schön.

Das Leben ist nicht wie in Büchern.
Dort gibt es vieles
was immer wiederkehrt.
Du weißt ja,
wie das ist.
Die über alles perfekte Liebe,
die sich um tausend Schwierigkeiten
in die Ewigkeit windet.
Der blutig tobende Krieg
in dem tausende fallen
und manchmal auch jemand
für den die Geschichte
einen Namen kennt.

Hast du schon geweint?

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Sonne, Sand und Dreck

[…] An diesem Strand hatten die Menschen den Sand gestohlen, weil sie ihn zu schön fanden, um ihn nur ein paar Augenblicke lang zu sehen. Nun war beinahe nichts mehr davon übrig und sie würden ihn daher nie wieder sehen. Alles was davon noch blieb waren die Krümel, die sie davon nach Hause getragen hatten. Die waren jetzt über die Welt verteilt und somit für diese verloren.

Die letzten Reste dieses Strandes darf nun niemand mehr betreten. Und irgendwo auf Fenstersimsen stehen stattdessen kleine Strände, die dazu gedacht sind, verzweifelten Menschen ein Stück Urlaub in ihren Alltag zu tragen. Dabei wird allerdings gern übersehen, dass auch ein Souvenir nur eine Stütze der Erinnerung und nicht die Erinnerung selbst ist. Wer keine Zeit hat sich zu erinnern, den wird auch ein Stück gestohlendes Glück nicht die Entspannung eines vergangenen Augenblicks bewahren. […]

[…] Auf einer traumhaft malerischen Insel stiegen wir am Nachmittag zu einem Gipfelkreuz hinauf. […] Dorthin führte ein steiniger, kleiner Weg. […] Die Sonne spiegelte sich in Sandkörnern und Glasscherben und neben dem Pfad lagen malerisch hingestreut kleine Felsen, von denen manche aussahen wie wertlose Mineralien, andere wie Bruchstücke von Fliesen und einige wie große Reste Styropor. An niedriegen Sträuchern flatterten bunte Plastiktüten im stürmischen Wind. […] An einer Stelle schien es fast, als würde der illegale wirkende Hang aus Schutt und Ziegelsteinen bald in die unterlegene Wohnsiedlung abrutschen.

[…] Verschmutzung von fremder Schönheit hat einen seltsamen Beigeschmack. Ebenso, wie wir die schönen Erinnerungen manchmal zu vergessen scheinen, sobald wir in unser Leben zurückgekehrt sind, vergessen wir auch den Schmutz und den Dreck. Nur, dass wir die Schönheit gerne mit nach Hause nehmen und den Dreck dort zurücklassen.