REM-Notizen

Karriere - Aus der Ausstellung REM-Notizen

Das neue Ausstellungsjahr im Burladinger Rathaus wird von einem Neumitglied der „burladinger maler“ eröffnet. Für Axel Kuckuk, der seit Sommer 2019 im Verein dabei ist, ist es die erste Ausstellung bei den burladinger malern. Gemeinsam mit der Autorin Kathrina s. East entstand das Konzept, das von Jahresbeginn an bis zum 31. März zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen ist.

Die Ausstellung trägt den Titel REM-Notizen. Sie möchte einladen, einen Schritt vom Alltag zurückzutreten und sich dem Absurden zu öffnen. Dabei interagieren die Werke mit unserer gewohnten Welt, indem sie diese mit diversen Schnapsideen ergänzen, ohne sich dabei selbst allzu ernst zu nehmen.

Gezeigt werden in der Ausstellung 71 Werke. Dabei handelt es sich um nachbearbeitete Tusche-Zeichnungen, welche teilweise am Computer koloriert wurden, sowie um fünf ergänzende Gedichte von Kathrina s. East.

Wer Interesse an der Besichtigung charmanter, abwechslungsreicher und ungewöhnlicher Zeichnungen hat, der ist in den folgenden Monaten im Burladinger Rathaus sicher an der richtigen Adresse.

Mehr Informationen unter:

www.burladinger-maler.de

www.feuerwicht.de (Homepage des Künstlers)

www.kath-east.de (Homepage der Autorin)

Großstadtlyrik

Schatten, wie das Blut eines toten Wesens,
ergießen sich über die Wege.
Jeder hier sucht, vergeblich,
ein Zeichen echten Lebens.
Einsam, als wenn jemand Blumen auf ein Grab legte.

Bäume, mitten in der Dunkelheit.
Die Welt verschwimmt, trostlose Tränen für nichts geweint.
Tausende Menschen, unzählige Straßen, ohne Zusammenhalt.
Einsam, spiegelt sich im schwarzen Teich,
die einheitliche Masse, die doch nichts eint.

Sie kamen hier her um Dinge zu finden.
Und sie suchen noch immer in den Schatten,
zwischen den Mauern, die wissen, dass es nichts gibt.
Einsam stehen sie und sehen wie die Gasse stirbt.

Sie reden über sinnlose Dinge,
niemand spricht das, was er denkt.
Geräusche verschwinden,
werden ausgeblendet,
lösen sich auf.

Wenn sich das Blut noch tiefer über die Straßen senkt.
Einsam, wie mit Blumen am Grab.
Niemand lässt einem Gefühl seinen Lauf.

User-Voting Eine Welt Song

Das User-Voting für den Wettbewerb “Dein Song für eine Welt” läuft noch bis zum 26. August um 12:00 Uhr. Jugendliche und junge Erwachsene haben dort Musikstücke zum Thema “Eine Welt” eingereicht. Aktuell können Zuschauer noch für ihre Lieblingslieder abstimmen. Die Adresse dafür ist: www.eineweltsong.de/voting
Abgestimmen könnt ihr per e-Mail oder übers Handy für beliebig viele Stücke. Um die Songs meiner Band Cataract of Dreams zu finden, einfach nach Cataract suchen.

Segelgedanken IX

Wir stehen auf einer Brücke über einer kleinen Werft und bewundern die hübschen kleinen Holzboote, die dort im Wasser liegen. Die nächsten Sätze kreisen darum, was so ein Boot wohl kostet, dass man damit auf dem Bodensee der absolute Star wäre und welches man sich kaufen würde. Auf dem Rückweg versucht jemand, seiner Partnerin ein Sitzpolster für ein Boot anzudrehen. Die Frau sagt sie will es nicht haben. Er erklärt ihr was das Ding für unglaubliche Vorteile hat. Warum müssen wir alles besitzen? Oder vielleicht gehen wir die Frage mal anders an: Wie oft war ich glücklich darüber, etwas zu kaufen? Und bei wie vielen Dingen bin ich wirklich glücklich darüber, sie zu besitzen?
Bei mir selbst lauten die Antworten auf die beiden Fragen: Oft und Überschaubar. Es gibt nicht vieles, über das ich wirklich froh bin, es zu haben. Die meisten Dinge sind in Ordnung, solange sie keine Schwierigkeiten machen und gehen mir danach auf die Nerven. Also woher kommt der Drang, sie besitzen zu müssen?

Segelgedanken VIII

Die Bilder von heute sind wohl (bis auf das Regenwetter) eher auf flache Art und Weise idyllisch. Das passt aber auch garnicht schlecht zu dem Thema, das mich heute den Tag über beschäftigt. Es beginnt, als wir mitten am Tag in einer Stadt anlegen. Beim Durchfahren sah sie nicht nach etwas besonderem aus. Auch haben wir nur wenig Zeit, da wir vor dem Feierabend der Hebebrücken noch ein Stück weiterkommen müssen. Die Stadt jetzt kurz anzuschauen, wird ziemlich sicher stressig. Trotzdem halten wir an. Und zwar weil in einem Reiseführer steht, dass es sich um ein wirklich nettes Städchen handelt. Mir kommt das ein wenig vor, als würden wir Briefmarken oder Klebebildchen sammeln. Nur das wir Städtchen sammeln, bei denen wir dann vor unseren Freunden sagen können: “Da war ich auch schonmal, ein wirklich nettes Städtchen”.
Dabei finde ich es wirklich beeindruckend, dass Menschen scheinbar Erinnerungen an gute Restaurants oder besonders schöne Orte mit dem Namen der zugehörigen Stadt verbinden können. Für mich ist ein Urlaub, wie eigentlich das ganze Leben, eine Ansammlung schöner Einzelbilder. Dazwischen liegen mehr oder weniger lange Strecken nicht so sehenswerter Episoden. Aus diesem Urlaub werde ich unter anderem das Gefühl mitnehmen, durch enge Gässchen zu wandern. Rechts und links stehen alte, sehr gemütlich wirkende Häuser aus rotem Stein mit wunderschönen Gärten vor der Haustür. Es ist traumhaft keine Frage. Doch ob ich dieses Gefühl aus drei oder fünf verschiedenen Dörfern mitnehme, spielt für mich keine Rolle. Und wie diese spezielle Stadt dann heißt, die im Reiseführer als nett beschrieben wird, ist mir eigentlich egal.

(Das Bild unten ist übrigens während dem Fahren entstanden. Solange andere innerhalb einer Stunde die Stadt besichtigt und Kaffee getrunken haben, saß ich entspannt mit einem Buch auf unserem Schiff).

Aktuelle Projekte

Gerade erst haben wir ein selbstorganisiertes Konzert im Wohnheimkeller einer befreundeten Musikerin gespielt, nun steht schon das nächste Projekt an, denn heute beginnt das User-Voting zum Song Contest “Dein Song für EINE WELT” . Viele Musiker haben sich hier Gedanken dazu gemacht, wie sich der Traum eines gemeinsamen Zusammenlebens und die Probleme unserer Zeit in Töne fassen lassen. Auch ihr könnt euch die Stücke anhören und für euren Favouriten abstimmen: https://www.eineweltsong.de/voting

Natürlich hat auch meine Band Cataract of Dreams an dem Wettbewerb teilgenommen. Es ist nicht nur unsere erste Teilnahme, sondern auch unsere letzte Chance, denn ab nächstem Jahr ist ein Teil von uns bereits zu alt für die Teilnahme. Daher freuen wir uns natürlich ganz besonders, wenn ihr auch unseren Stücken euer Ohr leiht: Einfach nach Cataract of Dreams oder nach einem unserer Songs (River’s End, Barefoot Soldier, Xenophilia) suchen. Leider ist der Suchalgorithmus etwas seltsam, sodass ihr manchmal etwas runterscrollen müsst, um das Richtige zu finden, selbst wenn ihr ganz genau wisst, was ihr sucht. Nur nicht entmutigen lassen.

River’s End – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Eine schwierige Ballade

Zu River’s End sei zunächst gesagt, dass ich nach Bild einer Stadt eigentlich keinen Liedtext mehr allein geschrieben habe. Unser Schlagzeuger und ich schreiben gemeinsam, sodass jeder Text am Ende wenigstens zwei Leuten gefällt. Diese Art zu schreiben ist unglaublich hilfreich, um andauernde Wiederholungen von Stilen und Bildern zu vermeiden. Außerdem bewahrt sie mich davor, allzu sehr ins kitschige abzudriften. Hier zeigt sich auch eine grundlegende Charakteristik von Gedichten und verwandten Textarten: Obwohl wir gemeinsam schreiben und über verwendete Metaphern diskutieren, sind wir am Ende nicht immer ganz einer Meinung, was das gewählte Bild nun bedeutet. Aber das nur als Randnotiz.
River’s End zu schreiben war deutlich weniger spontan, als dies bei vielen anderen meiner Texte der Fall ist. Mit der Flüchtlingsdebatte überall um uns herum, hatten wir den naheliegenden Gedanken, ein Lied zum Thema Flucht zu schreiben. Es sollte aber kein politisch geprägtes Stück werden. Stattdessen wollten wir die emotionale Perspektive eines Fliehenden einnehmen. Mit der Umsetzung dieser Idee haben wir es uns nicht leicht gemacht. Uns war bewusst, dass wir nicht in der Position sind, die Situation eines Flüchtlings wirklich zu verstehen. Wir versuchten, eine Geschichte über etwas zu schreiben, von dem wir nur Geschichten kannten. Dabei wollten wir unter keinen Umständen respektlos gegenüber denen sein, die diese Realität erleben und erlebt haben, indem wir Geschehnisse in unserem Unwissen über- oder unterdramatisieren.
Im Ergebnis ist River’s End dadurch weniger emotional, als ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Es hat sich von der Komplexität der Erlebnisse ein wenig gelöst und konzentriert sich auf Erfahrungen, die jeder von uns wahrscheinlich schon gemacht hat: Loslassen müssen und hoffen. Und trotz unserer anfänglichen Absicht neutral zu bleiben, enthält es am Ende doch noch eine Aufforderung an uns alle.

Flammen entzünden die Tage.
Sie waren blind für die Funken.

Es sind stellvertretende Flammen für alles, was ein Leben so sehr aufrütteln kann, dass es aus den Fugen gerät. Es sind nicht nur Kriege und Naturkatastrophen, manchmal reicht schon der Verlust einen Arbeitsplatzes. Überraschend und zur falschen Zeit. Es kann überall passieren. Auch hier.
Die Menschen, die die Funken nicht sehen, sind nicht die Betroffenen, sondern diejenigen, die das Feuer gelegt haben. Unwissentlich oder mit geschlossenen Augen.

Dürrer Mann, der uns Traurigkeit und Angst anbot
bringt uns dazu, nach einem neuen Zuhause zu suchen,
forderte alles für seinen Thron.
Da gab es nichts mitzunehmen, zu den Wellen,
außer einem hoffnungsvollen Abschied und meinem Leben.

In der ersten Fassung des Textes hieß es nicht „dünner Mann“ (Thin man), sondern einfach „seltsamer Mann“ beziehungsweise Fremder (Strange man). Diese Textstelle wurde so spät geändert, dass ich mich bis heute auf der Bühne regelmäßig dabei erwische, dass ich „strange“ singe, während ich den Rest des Liedes eigentlich fehlerfrei auswendig kann. Dieser Mann ist das Gefühl, wenn einem plötzlich alles entrissen wird, was man aufgebaut und erarbeitet hat, sodass außer einem Neuanfang nichts übrigbleibt. In diesem Sinne löst sich River’s End von dem Gedanken der Flucht und begleitet jeden, der im Leben viel verloren hat.

Ich werde Briefe und Tränen meiner Kinder und Freunde mitnehmen,
zu dem Ort, an dem der Fluss endet.

Briefe und Tränen oder auch Erinnerungen und das Wissen, vermisst zu werden.

Eines Tages wünscht es sich, zurückzukehren,
zu dem Ort, an dem es alle seine Liebe zurückließ,
in einem Moment aus Hoffnung und Abschied.

Egal wie es dazu kommt: Was kann schlimmer sein, als geliebte Menschen zurücklassen zu müssen? Sie zurückzulassen, weil man sie liebt?

Nun haben wir eine Zukunft zu bauen.
Hätten wir keine übereinstimmenden Narben gefunden…
unsere Welten würden getrennt bleiben.

Es ist kein einfacher Zugang zu einem Menschen. Doch wenn er gelingt, kann er sehr tragfähige Verbindungen bauen: Gemeinsam erlebte oder gegenseitig verstandene schmerzhafte Erlebnisse. So unterschiedlich Kulturen und die einzelnen Menschen darin auch sind: Unsere Antriebe, Ängste und unsere Verletzlichkeit sind einander sehr viel ähnlicher, als wir uns oft eingestehen wollen.
Die Menschheit hat nicht nur in der Natur, sondern auch in der weltweiten Gesellschaft Entwicklungen angestoßen, die wir nicht einfach zurücknehmen können. Ich halte es für möglich, dass wir auch von manchen der uns vertrauten Strukturen und Gewohnheiten Abschied nehmen müssen. In der Hoffnung, dass unser Weg beinahe ein Rundgang ist, der uns wieder zu diesen Strukturen zurückführt. Sobald wir gelernt haben, wie wir sie verbessern können. Je früher wir anfangen darüber nachzudenken und uns bewusst zu ändern, desto schneller und schmerzloser könnte diese „Reise zum Ende des Flusses“ wieder vorbeigehen.
Das ist die Hoffnung, die uns oft weitermachen lässt: Dass wir zum Guten zurückkommen, wenn wir nur weit genug vorwärts gehen. River’s End hingegen endet mit einer der größten Ängste: Irgendwann anzukommen und festzustellen, dass der Weg nicht im Kreis geführt hat und dass ein Neubeginn nur möglich ist, wenn wir unsere Vergangenheit zurücklassen.

Nur Briefe und Tränen von meinen Kindern und Freunden
finden den Ort, an dem der Fluss endet.