Konstruktive Textkritik

Die Tagesstätte für Rromakinder in Periam ist ein Projekt der Caritas der Diözese Temeswar und wurde 2008 gegründet.

Das Dorf Periam liegt mit dem Zug fast genau eine Stunde außerhalb von Timisoara. Zu diesem Dorf, das bedeutet, zu dem Verwaltungsbereich des Bürgermeisteramtes Periam, gehört auch eine Rroma-Siedlung, die vom Straßennetz her zwar direkt an das Dorf angeschlossen, ansonsten aber durch klare, wenn auch unsichtbare Grenzen von diesem getrennt ist.
Die meisten Häuser in der Rroma-Siedlung sind von Hand aus billigen Materialien errichtet und in aller Regel einstöckig. Viele von ihnen haben nur festgetretene Erde statt einem richtigen Fußboden und die Häuser sind oftmals sehr klein, verglichen mit der Anzahl Menschen, die darin wohnen. Die Familiensituationen sind schwierig, häufige Partnerwechsel, große Patchwork Familien mit über zehn Kindern oder quasi Waisenkinder, deren Eltern beide im Ausland arbeiten, sind eher an der Tagesordnung als eine Seltenheit. Die meisten der erwachsenen Rroma sind Analphabeten. Zu den häufigsten Einnahmequellen gehören Feldarbeiten oder Aufgaben wie Kühe hüten, wobei auch die Kinder davon nicht immer verschont bleiben, was häufig zu Lasten des Schulbesuchs geht.

Die Tagesstätte liegt innerhalb des rumänischen Dorfes und nicht in der Rroma-Siedlung. Die Betreuerinnen gehen teilweise zu den Kindern nach Hause, sprechen mit Erziehungsberechtigten über die Wichtigkeit des Schulbesuchs. Sie helfen außerdem beim Beantragen von Papieren und Sozialhilfe und vermitteln Sachspenden an die Familien in der Siedlung. Trotz dieser Bemühungen, dem Nachhilfeunterricht und der Hausaufgabenbetreuung in der Tagesstätte, schaffen einige von ihnen es nicht, den Schulabschluss nach der achten Klasse zu machen.

Die Schule, die die Kinder gemeinsam mit den rumänischen Kindern des Dorfes besuchen, ist sehr klein und kann nicht alle Schüler zeitgleich betreuen. Darum kommen die Klassen 3 und 4 immer am Vormittag in die Tagesstätte. Sie haben nur nachmittags Unterricht.

Die Besetzung der Tagesstätte besteht aus zwei gelernten Lehrerinnen über 60, einem ungelernten Betreuer, der selbst Rroma ist und mit seiner Familie ebenfalls in der Siedlung lebt, sowie zwei Koch- und Reinigungskräften, die oft nur halbtags da sind. Über den Tag verteilt kommen in das Zentrum etwa 45-50 Kinder. Vorausgesetzt es kommen alle, was selten der Fall ist. Die Klassen 3 und 4 kommen zwischen 8 und 9 Uhr morgens in die Tagesstätte, bekommen Frühstück, machen ihre Hausaufgaben vom Vortag, wobei sie von den beiden Lehrerinnen und dem Betreuer unterstützt werden. Anschließend bekommen sie nochmal etwas zu essen, sowie bei Bedarf ein Vesper für die Schule und gehen ab 12-13 Uhr in den Unterricht. Ab 13 Uhr kommen dann die anderen Klassen, bekommen in zwei Schichten etwas zu essen und machen die Hausaufgaben von diesem Tag. Wer früher mit den Hausaufgaben fertig ist, darf in der Regel etwas spielen, bei schönem Wetter auch draußen im Hof. Wer keine Hausaufgaben hat, der bekommt zumindest ein paar Wiederholungsaufgaben gestellt, bevor er frei hat.
Abhängig vom Tag, endet das Programm der Tagesstätte zwischen 15 und 17 Uhr. Bevor die Kinder nach Hause gehen, bekommen sie nochmal etwas Kleines zu essen. In mancher Hinsicht sind die Mahlzeiten eines der wichtigsten Angebote der Tagesstätte, denn viele von den Kindern bekommen aus finanziellen Gründen zuhause nur unzureichend zu essen. In der Regel hat etwas mehr als die Hälfte von ihnen keine Pausenbrote dabei.

Reich beschenkt

Es ist der 19. Dezember. Der letzte Freitag vor Weihnachten. Und hier für viele soziale Projekte auch der letzte reguläre Arbeitstag. Die Geschenke aus dem Westen sind angekommen. Es sind absurd viele. Bis zu sieben Stück pro Kind.

Projekte, die Hilfsgüter an Familien mit geringem Einkommen verteilen, sind hier alles andere als selten. Das ganze Jahr über wird um Spenden in Form von Lebensmitteln, Kleidern, Schuhen, Windeln und Holz gebeten und diese verteilt. Wir haben mit vielen Kindern aus solchen Familien gearbeitet.
Jetzt, an Weihnachten, schreiben diese Familie Dankesbriefe an die Sponsoren im Westen. In den letzten Wochen habe ich einige dieser Briefe aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt. An Weihnachten, wenn die Geschenke aus dem Westen kommen.

Viel dringender als Projektgebundene Spenden für neue Rollstühle oder Sachspenden bräuchten wir Geld für den laufenden Betrieb, um die Gehälter zu bezahlen. Doch für so etwas spenden die Menschen nicht gern.

(Sinngemäß nach einem rumänischen Arbeitskollegen)

Während wir die Spenden auspacken, sortieren wieder einpacken, häufen sich die traurigen Klischees. Die Kuscheltiere, die vor dem Versand nicht gewaschen wurden. Unvollständige Spiele. Für einige davon gibt es nur deutsche Anleitungen. Eine davon versuche ich im Laufe der nächsten Wochen zu übersetzen. Doch es dauert einfach zu lang und es gibt Wichtigeres zu tun. Ein etwas teureres Spiel ist auch dabei. Um es zu spielen, benötigt man eine CD. Die CD kann aber nur deutsch. Meine Kollegin erzählt, die habe eine angefangene Cremetube unter den Spenden gefunden.
Eine Weile mache ich mir Gedanken darüber, was Menschen sich beim Spenden denken oder nicht denken. Warum sie überhaupt spenden und weshalb dann ausgerechnet an einem Fest wie Weihnachten, zu dem, wie es scheint, viele ja gar keinen echten Bezug mehr haben, außer der Gewohnheit. Nach einer Weile gebe ich es auf. Aber so viel möchte ich sagen: Egal wohin wir auf der Welt auch gehen. Die Menschen sind überall dieselben. Sie sprechen normalerweise die Sprache ihrer Eltern und vielleicht noch ein oder zwei weitere ein wenig. Sie haben dieselben Bedürfnisse wie wir und dieselbe Abneigung dagegen, den Müll anderer Leute geschenkt zu bekommen. Ich weiß nicht, wie wir manchmal auf die Idee kommen, es wäre anders.