Glaskugel

Mitte dieser Woche war ich eingeladen, im Zeicheninstitut der Universität Tübingen eine Lesung eines meiner Gedichte zu halten. Die Seminarteilnehmer sollten zu diesem Text ein Bild entwickeln und zu Papier bringen. Hier ein kleiner Einblick in die wundervollen Werke, die dabei entstanden sind:

Spiegelglas - Glaskugel

Grelle Punkte
tanzen, flimmern
über ihre Oberfläche.
Beleuchten
goldene Tropfen,
eingeschmolzen
in ihrem Inneren.

Ein Blick,
in unendliche Tiefen.
Kein Sinn
für die nahe Wand.

Lädt ein
sich hinter ihrer Endlichkeit
unendlich
zu verirren.

Ein Diamant
aus Sternenstaub
in stiller Dunkelheit.
Fängt den Blick.
Fängt die Sinne.
Gib Acht!

Was du glaubst,
Was du denkst,
Was du bist,
wird nimmer
dir gehören.

Heb den Blick!
Heb die Sinne!
Sieh wer du bist!
Wisse, dass du lebst
und du allein
kannst sehen

in stiller Dunkelheit,
laden sie ein
dich zu verirren
zwischen den Lichtern,
zwischen den Zeiten,
zwischen dem Wissen.

Weil sie es besser wissen,
und glockenhell lachen
wenn ihre Lichter
grelle Punkte
über die Oberfläche
flimmern und tanzen lassen.
Verirren lassen.

Sieh, das ist!
Dein Traum.
Den du liebtest.
Den du lebtest.
Den du alle Zeit verehrtest.

Nun heb den Blick,
Nun heb die Sinne,
Sieh deinen Traum,
deine Kugel aus Glas.

Jetzt hältst du sie in Händen.
Eine Kugel aus Glas.
Gebunden an die Zeit.
Niemals für die Ewigkeit.
Zerbrich sie!

Von: Karin Martini
Von: Justina Berns
Von: Katharina Turba
Von: Marta Provenzano
Von: Annalena Sieß
Von: Anne-J. Koller
Von: Christa Maria Burr
Von: Dr. Johannes Wertz
Von: Viviane Berger