Großstadtlyrik

Schatten, wie das Blut eines toten Wesens,
ergießen sich über die Wege.
Jeder hier sucht, vergeblich,
ein Zeichen echten Lebens.
Einsam, als wenn jemand Blumen auf ein Grab legte.

Bäume, mitten in der Dunkelheit.
Die Welt verschwimmt, trostlose Tränen für nichts geweint.
Tausende Menschen, unzählige Straßen, ohne Zusammenhalt.
Einsam, spiegelt sich im schwarzen Teich,
die einheitliche Masse, die doch nichts eint.

Sie kamen hier her um Dinge zu finden.
Und sie suchen noch immer in den Schatten,
zwischen den Mauern, die wissen, dass es nichts gibt.
Einsam stehen sie und sehen wie die Gasse stirbt.

Sie reden über sinnlose Dinge,
niemand spricht das, was er denkt.
Geräusche verschwinden,
werden ausgeblendet,
lösen sich auf.

Wenn sich das Blut noch tiefer über die Straßen senkt.
Einsam, wie mit Blumen am Grab.
Niemand lässt einem Gefühl seinen Lauf.

Gift

Wenn du glücklich sein willst
Töte dich

Es gibt in dieser Welt
Keinen anderen Kick
Keine bessere Motivation
Keinen anderen Weg
um dazu zu gehören

Wenn du glücklich sein willst
Töte dich

Weil du zum glücklich sein
Freunde brauchst
Freunde wie uns
Die immer an deiner Seite stehen
um dir aus deinen Tiefs zu helfen
um dir den rechten Weg zu weisen
in eine Welt voller Spaß
voller Freude
voller Glück

Wenn du unser Freund sein willst
Töte dich

Das Gift in deinen Adern zeigt dir
dass du noch am Leben bist
Wenn alles in dir sich sträubt
hast du alles richtig gemacht
Denn es gibt in dieser Gesellschaft
Keinen anderen Weg
Keinen anderen Kick
Kein besseres Gefühl

Wenn du dich nicht erbrichst
dann lebst du noch nicht
Wenn du dich nicht tot fühlst
bist du niemals frei

Stell dich zum singen
auf den Marktplatz
Schrei all deine Schmerzen hinaus!

Und wenn ich da stehe
und aus vollem Herzen singe
fragt ihr mich
warum ich jetzt
zum ersten Mal
betrunken bin

Weil ihr nicht versteht
dass Leben aus Leben entsteht
und das alles was passiert ist
dass ihr verlernt
nüchtern zu lachen
dass ihr euch nicht mehr traut
nüchtern zu tanzen
dass ihr darüber lacht
wenn jemand nüchtern weint
dass ihr vergesst
zu leben
und es nicht spürt
und dass ihr früher sterben werdet

Ich aber brauch euch nicht
zum glücklich sein

Der Mann vom Silbersee

An manchen seltsamen Tagen fällt einem die Müdigkeit wie weiße Schleier vor die Augen. Und während man sich in der Gewissheit wähnt, dass man wach und den Umständen entsprechend konzentriert ist, treibt der Geist weiter und lässt einen zurück, wo auch immer man dann ist. Als der Schleier sich wieder erhob war ich nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein. Ein Traum forderte sein uraltes Recht, immer der Wahrheit zu entsprechen, egal was die Welt ansonsten dazu sagt.

Ich spürte das Chaos lange bevor es mich, bevor ich es, erreichte.
Es war eine von Farben durchsetzte Schwärze, ein Strudel, der nicht das ganze Blickfeld ausfüllte und doch alles andere verdeckte. Alles andere, auf das ich zuvor einen flüchtigen Blick hatte erhaschen können, von dem ich mich aber nicht erinnern konnte, worum es sich gehandelt hatte.
In einer Ecke steht ein Haus. Ohne Wand. Mit einem Dach, das von vier dünnen Stäben getragen wird und sich beinahe auflöst. Es ist bewohnt von Geistern. Sie kommunizieren mit mir und verhalten sich, als wären sie Menschen. Das Chaos fließt durch die Fenster herein und fordert meine Aufmerksamkeit, indem es sich wie ein durchscheinendes Seidentuch über die Szenerie legt. Es hat etwas aufblühendes, in meiner Angst zu versinken.
Im Innenraum des Hauses zieht die Bar an mir vorbei. Stühle und Tische, goldgeschnitzte Säulen und Flügeltüren öffnen sich zu einer atemberaubenden Landschaft. Das Wasser berührt beinahe meine Füße. In einem silbernen Fluss windet es sich langsam bergab. Ich kenne diesen Fluss. Er floss vor beinahe drei Jahren aus der Feder meines Lieblingsfüllers. Das Meer ist kleiner geworden seitdem. Es ist fast nur noch ein See. An seinem Ufer grasen Pferde mit schwarzem Fell. Sie fressen den Goldregen, dessen Äste wie bei einer Trauerweide über die Wasseroberfläche streifen. Die Ruhe in meinem Herzen droht jeden Moment überzulaufen.

Hast du mir ein Geschenk mitgebracht?
Dachte der Silber. Er steht neben mir und sieht wie ich aufs Meer hinaus. Es schimmert grau und der Mond spiegelt sich darin. Daneben steht ein schwarzes Ross und blickt zum Trauerregen hinauf.
Diesmal noch nicht, sprach ich zur Antwort. Doch wir werden uns wiedersehen.

Als der Schleier sich wieder erhob in dem Saal, der gefüllt mit Menschen und Konzentration, solange auf mich gewartet hatte, da war mein Stift nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein und die Worte auf dem Papier kannte ich nicht.