Mit einem Satz I

Für den Auftritt von Cataract of Dreams Ende Juli habe ich ein neues Konzept Ansagen versucht. Gegen meinen Widerwillen habe ich versucht, den Inhalt unserer Stücke in jeweils einem Satz zusammenzufassen. Dies habe ich insbesondere getan, ohne mir meine Behind the Lyrics Interpretationen noch einmal durchzulesen. Da sich die Bedeutungen von gedichtartigen Texten aber nicht nur je nach Mensch, sondern auch je nach Tagesform unterscheiden können, würde ich diese Sätze gern der Behind the Lyrics Reihe hinzufügen. Vielleicht eröffnen sie noch den einen oder anderen neuen Aspekt dieser Texte. Außerdem sind natürlich einige Songs dabei, für die es noch keine ausführliche Interpretation gibt.

1) Emperor of the Sun

Die Geschichte eines Gottes und eines Mannes, die beide im Begriff sind, einen für sie existenziell wichtigen Kampf zu verlieren.

2) Origami Heart

Die Geschichte eines starken Neuanfangs nach einer zerbrochenen (ersten) Beziehung.

3) Evening Leaves

Erzählt eigentlich drei Geschichten. Sie sind verbunden durch den Gedanken, dass die Vergangenheit in unvorhergesehener Weise in die Gegenwart eingreift. In diesem Sinne kann das Stück zum Nachdenken über unser gegenwärtiges Verhalten anregen.

4) Moondance

Das Leben der Protagonistin wird für eine Nacht von einem vollkommen Fremden vollständig auf den Kopf gestellt. Eine Frage danach, was Liebe auf den ersten Blick sein kann.

5) Old Games

Der erfolgreiche Kampf gegen die Dunkelheit, die sich in jedem Menschen versteckt. Er wird gewonnen, indem die Angst davor abgelegt wird.

6) Breathe

Es ist niemals zu spät, einen eingeschlagenen Weg zu ändern. Das Lied soll ermutigen, zu den eigenen Wünschen und Fähigkeiten zu stehen.

7) Crushed Creativity

Ein Lied darüber wie die Beschäftigung mit dem Internet und Computern aus kreativer Perspektive Fluch und zugleich Inspiration ist.

8) River’s End

Die Geschichte eines endgültigen Aufbruchs, wie er jeden von uns irgendwann betreffen kann und darüber, dass wir genau deswegen zusammenhalten sollten.

9) Storm of Consciousness

Eine Idee die ausbrechen möchte und den ganzen Verstand durcheinander wirft, bevor sie endlich die Welt verändern darf.

10) Barefoot Soldier

Das Stück selbst könnte deutlicher nicht sein. Ein Lied gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten.

11) Everyday’s Funfair

Egal was gerade schiefgeht: Es gibt zwei Dinge, die sich darum nicht kümmern und einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen: Die Zeit und das Leben. Ein Lied darüber, dass das nicht immer etwas schlimmes ist.

12) Black Hope

Black Hope handelt davon, wie viel Schönheit und wie viele wertvolle Momente verloren gehen, weil sich Menschen nicht immer die Zeit und die Energie nehmen, sich aufeinander einzulassen.

13) Sunrise at a Desert’s Coast

Sunrise ist das Erwachen nach einem Traum. Allerdings nicht aus der Perspektive des Träumenden, sondern aus der Perspektive des Traums. Als solches ist das Stück nicht nur verträumt, sondern auch ein wenig traurig. Denn es erzählt, was im Moment des Aufwachens auf der anderen Seite alles verloren geht.

Pictures of Me

Ausnahmsweise habe ich die Fotos in diesem Beitrag nicht selbst gemacht. Stattdessen bin ich mit einem Freund und Fotographen unterwegs gewesen. Das Lob für die schönen Bilder geht an Severin Frank. Danke dafür.

Glaskugel

Mitte dieser Woche war ich eingeladen, im Zeicheninstitut der Universität Tübingen eine Lesung eines meiner Gedichte zu halten. Die Seminarteilnehmer sollten zu diesem Text ein Bild entwickeln und zu Papier bringen. Hier ein kleiner Einblick in die wundervollen Werke, die dabei entstanden sind:

Spiegelglas - Glaskugel

Grelle Punkte
tanzen, flimmern
über ihre Oberfläche.
Beleuchten
goldene Tropfen,
eingeschmolzen
in ihrem Inneren.

Ein Blick,
in unendliche Tiefen.
Kein Sinn
für die nahe Wand.

Lädt ein
sich hinter ihrer Endlichkeit
unendlich
zu verirren.

Ein Diamant
aus Sternenstaub
in stiller Dunkelheit.
Fängt den Blick.
Fängt die Sinne.
Gib Acht!

Was du glaubst,
Was du denkst,
Was du bist,
wird nimmer
dir gehören.

Heb den Blick!
Heb die Sinne!
Sieh wer du bist!
Wisse, dass du lebst
und du allein
kannst sehen

in stiller Dunkelheit,
laden sie ein
dich zu verirren
zwischen den Lichtern,
zwischen den Zeiten,
zwischen dem Wissen.

Weil sie es besser wissen,
und glockenhell lachen
wenn ihre Lichter
grelle Punkte
über die Oberfläche
flimmern und tanzen lassen.
Verirren lassen.

Sieh, das ist!
Dein Traum.
Den du liebtest.
Den du lebtest.
Den du alle Zeit verehrtest.

Nun heb den Blick,
Nun heb die Sinne,
Sieh deinen Traum,
deine Kugel aus Glas.

Jetzt hältst du sie in Händen.
Eine Kugel aus Glas.
Gebunden an die Zeit.
Niemals für die Ewigkeit.
Zerbrich sie!

Von: Karin Martini
Von: Justina Berns
Von: Katharina Turba
Von: Marta Provenzano
Von: Annalena Sieß
Von: Anne-J. Koller
Von: Christa Maria Burr
Von: Dr. Johannes Wertz
Von: Viviane Berger

Das Wesen des Unklaren

Ohne Titel (1895)

Durch dieses Land streifte er
Wie ein Geist von Tür zu Tür;
Seine Hände umklammerten eine Laute
Und ließen süß sie klingen;

In seinen verträumten Melodien
Konntest du wie einen Sonnenstrahl
Die Wahrheit selber spüren
Und auch himmlische Liebe.

Die Stimme ließ manches Herz schlagen,
Das zu Stein geworden war;
Sie erleuchtete manchen Geist
In entlegenster Dunkelheit.

Doch statt Verherrlichung,
Wo immer die Harfe gespielt wurde,
Bot der Pöbel dem Geächteten
Ein mit Gift gefülltes Gefäß…

Und sprach zu ihm: >>Trink, o Verfluchter,
Dies ist deine Bestimmung!
Wir wollen deine Wahrheit nicht,
Noch deine himmlischen Melodien!<<

Quelle: Niemals eine Atempause –
Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert;
von Joachim Sartorius; Autor des Gedichts: Josef Stalin (1878-1953).

Wie verändert das Wissen um einen Autor den Text, den er geschrieben hat?