LebensZeit

Ich lese viel in Büchern
Ihr wisst ja,
wie das ist.
Es hält einen fest
und lässt nicht mehr los.
Lebenszeit verstreicht
und es ist schön.

Das Leben ist nicht wie in Büchern.
Dort gibt es vieles
was immer wiederkehrt.
Du weißt ja,
wie das ist.
Die über alles perfekte Liebe,
die sich um tausend Schwierigkeiten
in die Ewigkeit windet.
Der blutig tobende Krieg
in dem tausende fallen
und manchmal auch jemand
für den die Geschichte
einen Namen kennt.

Hast du schon geweint?

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Der Mann vom Silbersee

An manchen seltsamen Tagen fällt einem die Müdigkeit wie weiße Schleier vor die Augen. Und während man sich in der Gewissheit wähnt, dass man wach und den Umständen entsprechend konzentriert ist, treibt der Geist weiter und lässt einen zurück, wo auch immer man dann ist. Als der Schleier sich wieder erhob war ich nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein. Ein Traum forderte sein uraltes Recht, immer der Wahrheit zu entsprechen, egal was die Welt ansonsten dazu sagt.

Ich spürte das Chaos lange bevor es mich, bevor ich es, erreichte.
Es war eine von Farben durchsetzte Schwärze, ein Strudel, der nicht das ganze Blickfeld ausfüllte und doch alles andere verdeckte. Alles andere, auf das ich zuvor einen flüchtigen Blick hatte erhaschen können, von dem ich mich aber nicht erinnern konnte, worum es sich gehandelt hatte.
In einer Ecke steht ein Haus. Ohne Wand. Mit einem Dach, das von vier dünnen Stäben getragen wird und sich beinahe auflöst. Es ist bewohnt von Geistern. Sie kommunizieren mit mir und verhalten sich, als wären sie Menschen. Das Chaos fließt durch die Fenster herein und fordert meine Aufmerksamkeit, indem es sich wie ein durchscheinendes Seidentuch über die Szenerie legt. Es hat etwas aufblühendes, in meiner Angst zu versinken.
Im Innenraum des Hauses zieht die Bar an mir vorbei. Stühle und Tische, goldgeschnitzte Säulen und Flügeltüren öffnen sich zu einer atemberaubenden Landschaft. Das Wasser berührt beinahe meine Füße. In einem silbernen Fluss windet es sich langsam bergab. Ich kenne diesen Fluss. Er floss vor beinahe drei Jahren aus der Feder meines Lieblingsfüllers. Das Meer ist kleiner geworden seitdem. Es ist fast nur noch ein See. An seinem Ufer grasen Pferde mit schwarzem Fell. Sie fressen den Goldregen, dessen Äste wie bei einer Trauerweide über die Wasseroberfläche streifen. Die Ruhe in meinem Herzen droht jeden Moment überzulaufen.

Hast du mir ein Geschenk mitgebracht?
Dachte der Silber. Er steht neben mir und sieht wie ich aufs Meer hinaus. Es schimmert grau und der Mond spiegelt sich darin. Daneben steht ein schwarzes Ross und blickt zum Trauerregen hinauf.
Diesmal noch nicht, sprach ich zur Antwort. Doch wir werden uns wiedersehen.

Als der Schleier sich wieder erhob in dem Saal, der gefüllt mit Menschen und Konzentration, solange auf mich gewartet hatte, da war mein Stift nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein und die Worte auf dem Papier kannte ich nicht.