Atem im Wind

Atem im Wind

Ausatmen
und die Luft
streicht durch die Glöckchen
fliegt zwischen ihnen hindurch
tönt wie ein Lufthauch
im fernen Wald.
nichts regt sich.

Einatmen
und der Lufthauch
im fernen Wald
warm und eisig
unmerklich auf der Haut
tönt in den Blättern
wie eine ferne Straße
fegt sie hinab in mein Haar.
nichts regt sich mehr.
kahle Bäume,
rote Blätter.
strahlend vor einem schwarzen Himmel.

Ausatmen
und über die ferne Straße
tobt der Wind wie ein Sturm
umfliegt die Brückenpfeiler
steigt in schwarzer Nacht
eine Treppe empor
um dort oben auf der Straße
mit Ästen und Steinen zu spielen.
er schlägt sie ans Metallgeländer.
die letzte Stütze
vor dem Abgrund
singt klagend
wie ein ferner Glockenschlag.

Einatmen
und irgendwo in der Ferne
streicht der Wind durch Glöckchen
fliegt zwischen ihnen
und durch sie hindurch.
dann klingt
ein Windspiel im Wind.
und mein Herz regt sich.

Ausatmen.

Sommersturm

Spürst du es? Heute zittert die Luft, weich und zärtlich, wie ein Windhauch im Sommer. Schließ die Augen und höre die Welt still stehen. Sie lauscht deinem Herzschlag. Lausche du ihrem Zittern.
Heute liegt eine Ruhe in jedem Stein. Eine Ruhe in jedem Atemzug. Von weit her weht der Wind und er bringt dich zum Zittern. Eine Vorfreude, wie Verliebtsein, nur unerforschter, wie das Gegenteil von unfassbarer Wut.
Was immer dich erfüllt, es braucht dich jetzt. Wind erhebt sich in deinen Haaren und fährt durch dein Gesicht. Ein Herzschlag, flatternd wie ein Vogel, will plötzlich stark und unantastbar sein. Jede Geste, jedes Wort und Ton, verwandelt nun ein Zittern in einen Sommersturm und alles dreht sich nur um dich.
Es ist ein Orkan, der die Wände davonreißt und von dort wo du stehst lässt du Berge wachsen. Du bist wie ein Engel. Deine Schultern schmerzen am Flügelansatz und deine Schwingen breiten sich aus, bis hinaus in den Sonnenaufgang.
In diesem einen Moment lässt sich alles ändern. Um dich herum zittert die Welt.
Hörst du es flüstern? Da weht ein Wind durch deine Federn.
Sei ein Schmetterling. Entfache den Sommersturm, mit einem Flügelschlag.

Unbenannt

Und ich breite meine Flügel aus…
Wohin soll ich fliegen? Das Wasser
unter mir ist tief und schwarz. Es
brodelt in dunklen Tönen. Der Himmel
über mir, bedeckt von gejagten Wolken,
zeigt mir den Weg zu mir. Dort ist
das Licht.

Mein Herz schlägt verzweifelt nach oben,
nach unten drückt mich meine Angst.
Wenn meine Flügel stark sind kann ich
es schaffen, wenn sie schwach sind werde
ich fallen.

Das Wasser ist so kalt und so hell strahlt
die Sonne über mir. Rauer Nordwind
ich flehe dich an, erlöse mich!

geschrieben von Lisa Hersacher

Nachtschwärmers Abendlied

Von und für einen Namen, der schweigt

Glaubst du,
dass wir anders sind?
Mehr,
als nur ein Blatt im Wind?

Glaubst du das,
obwohl das Treiben
zu unsren schönsten Stunden zählt?

Glaubst du denn
wir können verstehen
wohin unsre Wege gehen?

Glaubst du das,
obwohl wir hilflos waren
den Schritt zu gehen
der schon vor uns lag?

Glaubst du,
dass wir alles sind?
Stark und wissend?
Selbstbestimmt?

Glaubst du das,
obwohl so vieles
wider bessren Wissens
zu Unabsehbarem führte?
Doch ja,
stark bist du gewesen.

Glaubst du denn
wir sind wie alle?
Falls es ein Gemeinsam gibt…

Glaubst du das?
obwohl du siehst,
dass ich diese Worte schrieb?
Glaubst du das?
obwohl du liest?

obwohl du dich erinnern kannst?
kannst du es wissen?

Glaubst du,
dass wir anders sind?
Mehr,
als nur ein Blatt im Wind?
Glaubst du denn
du kannst verstehen?
Wohin deine Wege gehen…
Wenn du an der Kreuzung stehst
und doch keinen Ausweg siehst
außer offnem, freiem Feld.

Nachtwind

Nachtwind

Stell dir vor,
ein langer Flur.
prunkvoll,
Leer,
geschichte.

Stell dir vor,
die große Halle.
prächtig,
Leer,
geschichte.

Stell dir vor,
dort an der Wand,
die alte Pendeluhr.

Das Zifferblatt,
aus Diamant,
ist eingestaubt,
seit Jahren.

Ein tristes Märchenland.

Dort in der Pendelmitte,
ein herrlicher Rubin.
Doch gibt es niemals Wind,
den Staub von ihm zu wehn.

Da sieh, durch leere Säle,
still ein Schatten geht.
Sein warmer, schwarzer Atem,
durch die Gänge zieht.

Leere gänge,
Leere hallen,
er trägt Sie alle fort,
und sein warmer Atem zieht,
still durch diesen Ort.

Durch das triste Märchenland,
Sieh! er nähert sich der Uhr.
Sieh! er hebt die Flammenhand!

und stößt mit
sanften, zarten Fingern,
sacht, das schöne Pendel an…